Bahnfahren in Deutschland

Do, 19:54
In Benrath kommt der Regionalexpress zu spät. In letzter Sekunde bekomme ich die S-Bahn, die auf dem Nebengleis einfährt. 

20:12 Am Hauptbahnhof in Düsseldorf steht auf der Anzeige, daß mein Direkt-ICE nach Baden-Baden ausfällt, einfach gestrichen sei. Also steige ich in den nächsten Zug in Richtung Süden, nach Frankfurt.
20:50, etwa 20 min zu spät hat dieser Zug einen ausgiebigen Halt irgendwo auf offener Strecke, kurz nach Köln. Der Zugführer gibt sich jovial, unterhält die Leute mit Witzchen, „Ei, da vorne, die roten Lichtlein, die ich sehe, die zeigen mir, daß da wohl eine Weiche kaputt gegangen ist…“ schunkelt er frohsinnig ins Mikrofon…. eigentlich müsste der Kontrolleur auch eine rote Clownsnase aufhaben, so menschlich und lustig und frohsinnig scheint die Reise zu sein. Der clownsnasenlose Bedienstete empfiehlt mir , in Bonn auszusteigen und die Rückfahrt nach Benrath, ich würde ansonsten um 05:00 etwa in Koblenz stranden. Sämtliche Züge in Bonn haben Verspätungen, große Verspätungen. Ich sitze dann von 23:05 bis 00:25, also bis nach Mitternacht in Köln-Deutz und warte auf den Zug, der mich zum Startpunkt der Reise zurückbringen soll. Am Freitag, 00:45 endet die Reise in Benrath, dem Startpunkt, nachdem der Zug mit 35min Verspätung fuhr.

Fr, 10:05 Bahnhof Benrath. Der Zug nach Köln ist gestrichen. Der nächste kommt um 10:47. Es wird angekündigt, dieser habe 35 min Verspätung. Ich überlege, nach Düsseldorf zu fahren, um schneller im ICE-Netz zu sein. Ein freundlicher Helfer zeigt mir alle Züge und Verspätungen auf dem neuesten Stand. Ich will dann den Bahnsteig wechseln, da kommt ohne weitere Ankündigung und entgegen den Ankündigungen des freundlichen Helfers und seiner digitalen Gerätschaft der Zug völlig regulär angefahren und ich komme ohne weiteres Ungemach bis Köln. Erstaunlich die Lautsprecheransagen nun in Köln.. Eine Lust am Entschuldigen ist förmlich erspürbar. Das Glück, die Seele von Schuld zu befreien, indem man diese Schuld offen eingesteht. Befreiung, Beglücksein. Man könnte sich fast wie bei einer Massenbekehrung, einer Massentaufe vorkommen. Die gerade noch Gesündigthabenden während der Erleuchtungphase miterleben zu dürfen.  Superarbeit, Respekt, sehr geehrte Bahnpsychologen!
11:55 ich sitze im ICE in Köln. Nun schon eine Stunde. In der Zwischenzeit habe ich in den vorderen Zugteil gewechselt, weil der hintere kaputt ist. Menschen ist steigenden Wahnsinnsgraduierungen steigen ein und aus, das einzig Stille in dieser Hektik ist unser Zug. Sitzenzubleiben war richtig. Ich komme um 15:00 in Baden-Baden an.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.