11,07.2019

sechs Wochen bin ich nun schon wieder in Deutschland. Die Hoffnung, über einen Bekannten des russischen Botschafters in Frankfurt Hilfe für einen Daueraufenthalt zu bekommen, die hat sich zerschlagen. Argument: der Botschafter habe auch Vorgesetzte und er habe Angst, Fehler zu machen und dafür Konsequenzen erleiden zu müssen. Von Sergej Malenko höre ich nichts. Also wieder eine beschissene Zeit des Wartens. Ich fühle mich nicht mehr wohl in Deutschland. Besonders unwohl fühle ich mich in Baden-Baden und Umgebung. In der Perm Region leben pro Quadratkilometer 15 Menschen. Hier in Baden-Würtemberg sind es über 300 Menschen pro Quadratkilometer. Kaum ein Mensch in Deutschland nimmt wahr, wie die Freiheiten hier beschränkt werden. Immer schneller und schneller geht das. Alle Seen sind nun mit einem hohen Zaun umgeben. Das ist einem Urteil eines einzelnen Richters zu verdanken. Ein Kind ertrank im letzten Jahr, nachdem die Uferböschung abrutschte und im Wasser versank, geschah dieses Unglück. Doch was für ein Schwachsinn, deshalb tausenden von Menschen diese Plätze der Ruhe, der Natur und der Sonne wegzunehmen. Warum werden dann die Autos nicht verboten? Seit dreissig Jahren war ich immer an der selben Stelle. Man nahm auch den Abfall mit, den manche liegengelassen haben, viele haben sich um „ihre Badeplätze gekümmert, als sei es ein Stück vom eigenen Garten. Bei einer längeren Wanderung durch den Wald musste ich erkennen, daß dies auch keine Freude mehr macht. Die Waldwege waren bis vor kurzem noch, wie man sich einen Waldweg vorstellt: ein grüner Streifen zwischen zwei Fahrspuren, links und rechts davon der Wald. Nun sind diese Waldwege fast ohne Ausnahme verändert. Breite Schotterpisten sind das, auf denen die schweren Kampfpanzer bequem in den Krieg oder zur Übung rollen können. Zwanzig Kilometer barfuss auf frischem Schotter ist eine schwere Übung, auch wenn man schon über 30 Jahre ohne Schuhe geht. Meine Idee, in dieser Zeit viel zu wandern, die habe ich deshalb aufgegeben. Es macht hier keine Freude mehr. Die Situation ist für die Insektenwelt eine große Apokalypse, es gibt fast nichts mehr. 

Der Lärm der Baustellen, der Laubbläser und Rasenmäher in Baden-Baden ist ungeheuer, ich kenne kaum eine andere Stadt, die so laut ist. Dann scheint es mittlerweile mit der deutschen Ingeneurskunst auch nicht mehr so weit her zu sein. Eine Einjahresbaustelle, einen Kreisverkehr zu errichten, hier in meiner Nähe, stand kurz vor ihrer Fertigstellung. Doch dann stellte sich vor kurzen heraus, das man sich vermessen hat, das Projekt  kann so nicht funktionieren. Nun wird das alles wieder auf- und abgerissen. Wie blöde darf man sein?

Heute habe ich im Cafe einen Menschen getroffen, den ich seit vielen Jahren sehe, jedoch nie mit ihm gesprochen habe. Dieser fragte mich, wo ich denn jetzt leben würde, er habe mich so lange nicht mehr gesehen. Ich antwortete, ich würde gerne im Ural bleiben, doch habe ich grad wieder Visumsprobleme, ich würde Russland mögen und dort leben. Da stand er auf, ohne weiteres Wort und ging. Viele Leute ärgern sich darüber, dass ich das möchte. 

Der pöse pöse Putin…. und ich will da hin. Man läßt mich spüren, daß ich ein Verräter bin.

Baden-Baden. 90 Prozent der Leute hier kann ich mit dieser Verallgemeinerung beschreiben: es gibt Menschen, die hier wohnen mit extrem viel Geld und dann diejenigen, die für die Reichen arbeiten. Diejenigen, welche für die Reichen arbeiten, wären meistens gerne selber reich und sind nicht zufrieden. Die Reichen haben das Geld nicht wirklich immer auf ethisch einwandfreie Art bekommen. Da sind unterschlagene Gelder, Waffen, Drogen, Huren, Lüge, Betrug reichlich vorhanden, viel Blut, Schweiß und Tränen kleben da dran.

Und dann gibt es auch noch die Fraktion derer, die hier bei Radio und Fernsehen arbeiten, die für das Weltbild ihrer Zuhörer und Zuschauer mitverantwortlich sind. Es wird manipuliert, gelogen, getrixt und zensiert. Da habe ich vorher gutes Geld verdient. Doch nun wissen die, daß ich nach Russland will, auch hier werde ich sehr gemieden.

In Lyubimovo war ich viel alleine, das war sehr schön. Durch die Freundlichkeit meiner Nachbarn, ihre Hilfsbereitschaft, die Art des Lebens dort, deren Denken war ich jedoch in einem energetischen Netzwerk aufgehoben. Hier nun, bei über 300 Menschen pro Quadratkilometern jedoch bin ich nur deshalb nicht einsam, weil ich mit dem großen Klaus ausserhalb des Zeit-/Raumkontinuums gut verbunden bin. Ich spreche noch weniger, gestresste Menschen hasten an mir vorbei, erlauschte Gespräche an Nebentischen erzählen von gelblackierten SuperPorschebremsen, Konsum, Konsum…. und Krankheiten, das sind die Themen hier. Nichts über Kultur, Literatur, große Stille.

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