klaus-burger 05.05. Zwei Wochen war ich mit meinen Filmies in Deutschland. Was für ein Unterschied zum Ural. Losgeflogen sind wir aus der Kälte und in einem Prachtfrühling in München angekommen. Sehr schön war die freundliche Aufnahme bei meiner Mutter und meiner Schwester. Der Regisseur Aleks musste selber filmen, denn es gab Passprobleme bei seinen Mitarbeitern. Er war in jedem Falle sensibel genug, daß ich ihn ohne weiteres mitnehmen konnte, als ich mit meinem alten Mütterlein zum Friedhof ging, auf welchem die Urne mit der Asche meines Vaters vergraben wurde. Nach einem Tag in Bayern reisten wir nach Baden-Baden. Das wirkt dann nach einem Winter in der Stille und Einfachheit wie ein Schlaraffenland und ich kann durchaus verstehen, daß man als knappbudgetierter Russe in freudiges Erstaunen verfällt. Hunderte von Käsesorten, superguter Wein, saubere Strassen. Weil das Wetter durchgehend wunderbar war, sogar mit ziemlich blauem Himmel, waren die Mienen der Badenser etwas weniger grämlich als in meiner Erinnerung gespeichert. Für mich waren diese Tage ausgesprochen anstrengend, denn einerseits bemühte ich mich darum, einen guten Gastgeber darzustellen und andererseits war ich halt auch sehr sehr oft vor der Kamera. In diese darf ich nicht reinschauen, denn sonst ist die Aufnahme unbrauchbar. Ich kann also nicht so ungeniert und frei meine Blicke umherschweifen lassen wie gewöhnlich. Und dann sind meine Filmies auch ohne aufzunehmen immer einige Schritte hinter mir hergegangen. Wenn man nun nicht weiß, wird gefilmt, wird nicht gefilmt, kann ich gucken, kann ich mich umdrehen, das strengt an. Und etwas unheimlich war die Drohne, die mit häßlichem Surren einen knappen Meter vor mir in Augenhöhe in der Luft stand, wie ein riesiges Insekt. Ich muss dann vergeistigt durch dieses Ding hindurchschauen, darf es nicht fokussieren, obwohl alle Sinne Alarm schreien, Abwehr- oder Verteidigungsmechanismen automatisch aktiv werden, Du spürst den Wind, den dieses Ding macht und hoffst, daß der Drohnenpilot keine Zuckungen an der Steuerung bekommt, denn dann hätte man Zack! das Ding im Gesicht, die Propeller würden bestimmt ziemlich weh tun….. Meine armen Füße…… nach einem Winter in Filzstiefeln wurden sie ohne Vorübung oder Vorwarnung nun barfuß mit verfluchtem Schotter, Rollsplitt und ähnlich unangenehmen Materialien konfrontiert, die Märsche und Spaziergänge waren lang, wir waren also jeden Tag mindestens fünfzehn Kilometer unterwegs. Am jeweils nächsten Morgen hörte ich die Zehen wieder förmlich aufjaulen, wenn es nach draußen ging. Diese Quälerei währte die ersten vier oder fünf Tage lang, dann waren sie wieder „eingelaufen“. Nach einem halben Jahr in der Wildnis fiel mir besonders auf, wieviele Zäune, Schranken, Begrenzungen es gibt, wie klein an vielen Stellen der öffentliche Raum gemacht wird. Ob das die neuerdings umzäunten Baggerseen, ein Verbrechen ganz eigener Art, oder die chemieverseuchten insektenfreien Agrarflächen sind, überall werden die Flächen fürs „Leben“ zusammengezwängt, mit Gängelung versehen, mit Ge- und Verboten aus einem selbstverantwortlichen Leben weg in eine Art von Schlachtviehmodus überführt, wobei die Belohnung, nämlich wie in einem Märklin- oder Fallermodelleisenbahnstädtchen zu wohnen, von den meisten gerne als Sublimat angenommen wird. So mancher Russe bewundert das wohl ,weil er genug vom Dreck und von der Improvisation hat.

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