27.03.2019 Immer wieder bekomme ich aus Deutschland Photos zugeschickt von den blühenden Sträuchern und Bäumen. Der Frühling hier beginnt ganz anders. Hier erwärmt sich das blecherne Hausdach in der Sonne, dann gibt es irgendwann einen gewaltigen Donner, das ganze Haus bebt heftig und der Schnee, etliche Tonnen schwer, ist mit einem Male vom Dach gerutscht. Eine neue Schneelast wird das Dach erst wieder im nächsten Winter bekommen, selbst, wenn es nochmal kalt wird und schneit. Das bleibt jetzt nicht mehr liegen. Wunderschöne Blautöne lugen aus den Ritzen der dicken komprimierten Schneeklumpen nach draussen. Ich musste meine Eingänge freigraben, das dauerte Stunden. Die Strasse ist schon frei, man sieht die Erde, den Matsch, den Dreck. Mein Nachbar Roman meinte, jetzt beginnt der schmutzige Frühling, das war wie ein geflügeltes Wort ausgesprochen. Alle Menschen, ob Schulkinder, ob Greise, zerkleinern, wenn sie beisammen stehen, unentwegt die Eisplatten auf den Wegen und Strassen. Mit den Absätzen der Schuhe, mit den Krückstöcken, mit Schaufeln, Stöcken, Fußspitzen. Es wird dem Lebenselement Wasser Geburtshilfe geleistet bei dem Übergang von einem in den anderen Aggregatszustand. Vollkommen entspannt geschieht dieses, man rächt sich nicht am Schnee oder Eis, man killt nicht mit Streusalz, wie der zentraleuropäische Michel das so macht, damit er seiner Pflicht Genüge tat. Nein, man steht rum und zerkleinert, zertritt, im Auto verläßt man die Fahrspur etwas, um den Schneematsch daneben auch endgültig in Wasser zurückzuverwandeln. Vögel zwitschern. Fleißig hämmern zwei Spechte draußen rum und ich werde bald schauen, ob es Birkenwasser geben wird, hier habe ich reichlich Birken um mich herum. Es ist mir möglich, meine Filmies nach Deutschland zu fliegen, der Rüdiger-Sponsor finanziert das. Gleichzeitig habe ich immer noch die Hoffnung, daß der Sergeji Malenko, den ich im Flugzeug wiedertraf, mir tatsächlich helfen wird. Es gibt Kontakt zu ihm. Vielleicht bekommen wir das hin, daß meine Filmies mit mir zum russischen Konsulat fahren und filmen, wenn ich ein Visum oder eine Aufenthalts-Genehmigung bekomme. Und dann werden wir im vollgefressenen Weltbad Baden-Baden drehen. Auf den Kontrast zum stillen Ural freue ich mich schon..

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