13.02. Nun holt mich die äußere Zeit wieder aus meiner inneren zeitlosen Zeit zurück in die Schnittmenge des gemeinsam Wahrgenommenen, das, was man als Realität bezeichnet. Meine eigene Realität muss jetzt einen Schlaf halten, bis ich wieder hier sein kann. Ich bin traurig. Mein Engel auf dem Pfosten läßt auch schon seit drei, vier Tagen den Kopf hängen, hat nun eher Ähnlichkeit mit einem deprimierten Rhesusaffen. Ich räume das Haus auf, meine Sachen zusammen. Die werde ich in einer Ecke verstauen und hoffen, daß ich tatsächlich in zwei Wochen wieder hier sein werde, morgen um die gleiche Zeit sitze ich im Auto auf dem Weg zum Flughafen von Perm. Und wenn mir mal jemand prophezeit hätte, daß ein Moment kommen wird, in welchem ich als erster „eigenen“ Pflanze meine Zuneigung einem Kohl im Ural schenken würde, den hätte ich bis vor kurzem verlacht. Doch hat tatsächlich der zärtliche, liebevolle Kohl, der zu mir sprach und mein Herz berührte, ausgetrieben, hat einige Blätter bekommen und ich habe Aleksey und Lena gebeten, in meiner Abwesenheit auf ihn aufzupassen, daß er nicht erfriert oder vertrocknet. So steht der Kohlstrunk nun in einem Glas mit Wasser bei meinen Nachbarn auf dem Fensterbrett, wo es ihm gut gehen wird und wir gemeinsam darauf warten, daß die hartgefrorene Erde auftaut und ihn dann in sich aufnimmt. Auch wenn ich hier überhaupt nicht weg will, so freue ich mich dennoch, einige Menschen in Deutschland wiederzusehen. Und ich erinnere mich, daß der Winter in Deutschland zwar eine trübe Zeit ist, wenn man jedoch aus dem russischen Winter kommt, wo es nur Farben zwischen reinem Weiß über Grau bis Schwarz vorkommen, keine trübe Zeit!, das viele Grün Deutschlands zuerstmal eine starke Sensation bedeutet.

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