12.03.2019 Es taut seit zwei Tagen. Der Schnee hat eine vollkommen neue Beschaffenheit bekommen. Dort, wo man gewöhnlich auf einem Trampelpfad durch den Schnee geht, war dieser bisher fest und zusammengedrückt. Bei Fehltritten von dieser Spur weg sank man dann bis über die Knie oder noch tiefer ein. Doch der Trampelpfand war ein mehr oder weniger bequem begehbarer Weg. Jetzt ist der gesamte Schnee weich geworden. Auf dem Weg ist er manchmal durch und durch aufgeweicht, kaum fester als Matsch. Da bricht man nun bei fast jedem Schritt bis zur Erde oder dem auf der Erde fliessenden Wasser ein. Der Boden ist noch hartgefroren. Die Nachbarin Lena bot mir Gummistiefel an. Diese Situation hat es in Deutschland nie gegeben. Auch traue ich mich im Moment nur sehr vehalten aus dem Haus. Mein Dach hat sich noch nicht von seiner Schneelast befreit und unter dieser Masse von schwerem Pappschnee möchte ich nicht sein, wenn diese ins Rutschen kommt und runterdonnert. Hier auf dem Bild sieht man den Schneehaufen, der heute nacht von der Scheune kam. Mein Eingang ist nun blockiert und dennoch macht es noch keinen Sinn, mit dem Freischaufeln zu beginnen, da die Hauptlast eben noch oben ist. Ich muss also jetzt abwarten, bis die Gefahr vorbei ist und dann grabe ich mich frei. Gestern in Perm hatte ich eine unglaublich berührende Begegnung. Am Tag meiner abreise nach Deutschland am 14. Februar erschien in einer Zeitung ein total schöner Artikel über mich. Den hat eine mir unbekannte Frau geschrieben. Sie hat sich offensichtlich auf meinem Youtube-Kanal Dinge angesehen, zum Beispiel meine Feststellung, daß die Russen keinesfalls versoffener als die Deutschen sind, aufgenommen und das stand dann auch in ihren Artikel so drin. Diese Frau wollte mich treffen und gestern war die Gelegenheit dazu, Olga ist knapp über dreissig Jahre alt. sie kam mit einer Freundin ins Cafe und wir hatten eine freundliche kulturvolle Kommunikation. Dann holte sie auf einmal zwei Maultrommeln raus und schenkte sie mir. Diese Maultrommeln hatten ihrem Mann gehört. Dieser ihr Mann ist Musiker gewesen und im letzten Jahr gestorben. „Sie mögen bei dir weiter erklingen“ bat sie mich. Für dermaßen ergreifende Erlebnisse nehme ich gerne diesen wahnsinnigen Dreck und Matsch in Perm auf mich. Ich hatte Kontakt mit Sergey Malenko, der mir tatsächlich helfen will, einen Daueraufenthalt zu bekommen und ich sehe erwartungsfroh in die Zukunft. Wahrscheinlich muss ich dann, wie er sagte, zwischendrin mal nach Deutschland zum russischen Konsulat fliegen und dort werden die Formalitäten erledigt. Das wäre nach fast zwei Jahren Herumgeeier ein schöner Abschied aus der jetztigen Situation.

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