11.05.2019 letzte Woche war ich mit meinen Filmies nochmals an der Tschussowaja, wo wir im Januar bei Eiseskälte spektakuläte Filmaufnahmen machten. Obwohl es schon einige Tage sehr warm, über 20° nämlich, war, lag noch viel Schnee, vor allem in den unendlichen Wäldern. Und dieser Schnee schmolz. Das habe ich noch nicht gesehen. Jede Reifenspur im Matsch, jede Senke, jede noch so kleine und unbedeutende Vertiefung im Boden, alles voller Wasser, überall floss das Schmelzwasser talabwärts. Was für Mengen. Und wie schön das überall geglitzert hat. An manchen Stellen war die Fahrbahn bedeutend überflutet, bedeutend heißt in diesem Falle, hätte man die Autotüre aufgemacht, wäre man bis knapp Kniehöhe im Wasser gesessen. Und all dieses Wasser strebt der Tschussowaja zu. Die war dann auch bestimmt dreimal so breit und zwei Meter höher als im Sommer oder auch als das Eis im Winter. Und es strömt mit großer Kraft dahin. Doch gleichzeitig sieht man auch, daß dieses Land das gewohnt ist, das war nicht wie ein Hochwasser in Deutschland. Ruhe und Kraft strahlte das aus, keine Wut, keinen Katastrophenmodus. Freudvoll und stolz empfängt das Land den Segen des Wassers. Da die Menschen das kennen, bauen sie die Häuser weit genug über diesem Pegel, nichts passiert. Eine Szene von großer Erhabenheit. Jetzt ist der Schnee überall geschmolzen, es ist richtig heiß geworden, über 30°. Auch das kannte ich so nicht, es explodiert gewissermassen das Grün, binnen einer Woche haben die Bäume Blätter bekommen und das Gras wächst so schnell zwischen dem gelbverdorrten Letztjährigen, daß man glaubt, das sehen zu können. Ich habe so überhaupt keine Lust, nach Deutschland zurück zu fliegen. Besonders schlimm finde ich, daß mein Baggersee, an welchem ich weit über zwanzig Jahre zum Schwimmen ging, nun eingezäunt ist. Ein riesengroßer Verlust an Lebensqualität. Manchmal glaube ich, daß die Versicherungskonzerne mit ihren jeweils neuen Auflagen in den Händen der „grauen Herren“ sind, die Michael Ende in dem Buch „Momo“ beschreibt. Ähnlich war das vor vielen Jahren, wo über Nacht das Baden-Badener Hallenbad gezwungen wurde, eine Leine zwischen Nichtschwimmer- und Schwimmerbereich anzubringen, was den rhythmischen Verlauf von Atem und Kraulzüben nachhaltig störte bis fast unmöglich machte. Ich hoffe halt sehr, daß entweder der Sergej Malenko mir wie versprochen hilft, ein Bleiberecht zu bekommen oder daß die Vorpremiere „meines Filmes“ am 23. Mai bei dem Diaghilev-Festival etwas bewirkt, was mir zum Bleiben verhilft. Vielleicht sollte ich auch dem Putin schreiben, habe ich nun auch schon überlegt. Heute kommt eine Frau eines Kanalfernsehsenders und macht ein Interview, übermorgen kommt das russische Fernsehen, was sich schon seit drei Monaten um einen Termin bemüht hat. Und, was mich sehr freut, ich werde auf dem Diaghilev-Festival einige alte Kollegen vom Klangforum Wien nach gut zwanzig Jahren wiedertreffen, denn die spielen da auch.