02.02.2019 Mein Nachbar Aleksej lächelt. „Es riecht nach Frühling, es ist Frühlingsluft!“ Ich schaue auf die Dampfschwaden, die die ausgeatmete Atemluft bei minus 22° eindrucksvoll hervorruft und schaue ihn fragend und blöde an. Es deutet auf die Unterkante seines Hausdaches. Dort haben sich tatsächlich einige Eiszapfen gebildet, hängen da runter. Aha, da habe ich wieder etwas dazugelernt. Irgendwie schafft es die Sonne, das Lebenselexier H2O kurz in flüssigen Zustand zu versetzten. Man merkt, daß die Tage wieder länger werden, es sind jedoch laut Wettervorhersage kalte Tage prophezeit. Ich hacke nun bei ihm Holz, bei mir gibt es nichts mehr zu tun. Vor ein paar Tagen habe ich ihn mal gefragt, ob er sich vorstellen könne, noch ein Grundstück dazuzukaufen, welches an seinen Grund angrenzt und mir dieses dann zu überlassen, damit ich da drauf mir was eigenes zum Wohnen errichten kann. Er meinte, daß es das mit seiner Frau Lena absprechen müsse und werde. Als die Lena dann aus der Stadt zurückkam, hat es sie wohl gefragt. Und ich bin sehr berührt. Also nicht nur, daß beide damit einverstanden sind, das zu tun. Sondern die Lena hat im Internet schon herumrecherchiert nach Bausätzen für so ein Kuppelhaus, wie sie mir so gut gefallen. Das werde ich mir vielleicht nicht leisten können, jedoch wird man das sehen. Ich habe ja auch ein gewisses handwerkliches Geschick geerbt. Und das Grundstück kenne ich auch schon. Ich werde weiterhin das Wasser vom selben Bach trinken. Was für eine schöne Wendung der Dinge!!! In jedem Falle werde ich das mit dem Grundstück machen. Es sind 5.000 qm und das kostet eine ausgesprochen überschaubare Summe, sogar für mich, das werde ich kaufen….. Irgendwie sind die inzwischen wie meine eigene Familie. Die Kinder freuen sich, der Kleine mit seinen anderthalb Jahren, der eigentlich immer nackt rumspringt, der „kleine nackte Mann“, so nenne ich ihn, da hört er sogar drauf, ist so liebevoll und zutraulich, alle, die ganze Familie sowas von freundlich und entspannt. Auch die Mutter von Aleksej umarmt mich freudig mit spürbarer Zuneigung. Und was für eine schöne Option, daß ich vielleicht immer den genialen Käse und Quark von dieser glücklichen Kuh bekommen kann, Und wie schön, daß ich dann neben Menschen wohne, die sich ein so schönes Leben in so einer schönen Landschaft ausgesucht haben. Und selbst wenn ich vom Aleksej abhängig bin wegen des Kaufes dieses Grundstückes, da ich als Ausländer ja nichts kaufen kann oder darf, so habe ich da keinerlei Bedenken, das zu tun. Niederträchtiger und erbärmlicher, als es in Baden-Baden mit Nachmietern und Hausbesitzer abging, das geht eigentlich nicht mehr. Und wenn etwas schief laufen sollte, ich bin zum Lernen hier auf der Welt, und ich lerne ja auch viel dazu. Es sind inzwischen auch hier in Russland schon viele Ideen und Pläne gescheitert, wie eine Zusammenarbeit mit dem College, der Flop mit der Kulturministerin. Doch das beirrt mich gar nicht, ich bin hier in Lyubimovo und brauche mich überhaupt nicht zu profilieren, interessiert mich gar nicht. Ich gehe staunend durch diese wunderbare kraftvolle mystische Natur und freue mich an den Gesichtern, die die Schneehauben auf Pfählen bekommen, Wesenheiten besonderer Art manifestieren sich da durch Schnee und Wind, überall ist Leben und Bewusstsein um mich herum in dieser grandiosen Stille. Und das Notenpapier liegt auf dem Tisch und ich habe mit einem neuen Projekt begonnen. Zum ersten Male habe ich nun keine Zwangspause von drei Monaten außerhalb Russlands abzureiten, denn ich habe einen neuen Reisepass und ein Jahresvisum in Auftrag gegeben, welches ich am Ende des Februar haben werde und wieder herkommen kann; vorausgesetzt, daß das alles so funktioniert wie geplant und erhofft. Deshalb ist mein Grauen, zurückkehren zu müssen, dieses mal begrenzt, ich treffe ja auch Menschen, die ich im Herzen habe. da wird einem doch ganz Has´ ums Herz

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